Wegen großer Nachfrage: Rheinmetall führt den Survivor S für den Seniorenmarkt ein
Wegen anhaltend hoher Nachfrage erweitert Rheinmetall sein Angebot für den zivilen Markt. Das schwer gepanzerte Fahrzeug Survivor R ist bereits bei mehreren Landespolizeien sowie bei der Bundespolizei im Einsatz. Nun soll eine stark abgespeckte Variante, der Survivor S, auch für Privatkunden erhältlich sein. Vorerst richtet sich das Angebot jedoch ausschließlich an Senioren.
Auto mit viel Ellenbogencharakter: Der Survivor S bietet viel Platz und maximalen Fahrkomfort. Auf Kundenwunsch lassen sich klappbare Schriftzüge anbringen.
Düsseldorf
Rheinmetall steigt mit dem Survivor S in den zivilen Markt ein. Die Zielgruppe seien zunächst Rentner und Pensionäre. Man wolle ihren besonderen Bedürfnissen gerecht werden. „Im hohen Alter lässt die Wahrnehmungsfähigkeit nach, gleichzeitig nimmt die Reaktionsgeschwindigkeit ab“, erklärt der neue Verkaufsbereichsleiter für den zivilen Markt, Sergej Fährlich. „Daraus ergeben sich Fahrunsicherheiten, die sich am zuverlässigsten durch ein möglichst großes und schweres Fahrzeug kompensieren lassen.“ Der Survivor S sei deshalb so konstruiert, dass seine Insassen effektiv vor äußeren Einwirkungen geschützt werden: etwa durch Bordsteine, Laternenpfähle oder den restlichen Straßenverkehr.
Der Trend zu immer größeren Fahrzeugen sei seit Jahrzehnten zu beobachten. „Früher gab es zwar Kleinbusse und Vans“, so Fährlich. „Doch die waren eng, boten wenig Komfort und waren häufig untermotorisiert.“ Erst mit dem Aufkommen der SUVs habe sich die Situation verändert. Technisch an der Kompaktklasse orientiert, seien diese Fahrzeuge jedoch in allen Dimensionen deutlich gewachsen. „Mehr Sitzkomfort, mehr Knautschzone, mehr Gewicht – ideale Voraussetzungen, um sich im Straßenverkehr gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern durchzusetzen.“
Der SUV-Markt sei zunächst von der arbeitenden Oberschicht geprägt worden, später hätten auch Senioren das Segment für sich entdeckt. „Durch die Mischung aus SUVs und kleineren Fahrzeugen entstand lange Zeit ein für Senioren günstiges Straßenbild“, sagt Fährlich. „Es gab nur wenige ernsthafte Gefahren: LKWs, Busse, Straßenbahnen - und Ladenzeilen.“
Mit dem Rückzug deutscher Automobilhersteller aus kleineren Fahrzeugklassen habe sich diese Situation jedoch verändert. „Heute begegnet man immer häufiger gleichwertig aufgerüsteten Verkehrsteilnehmern“, so Fährlich. „Man muss plötzlich bremsen, warten oder sogar Rücksicht nehmen.“ Für viele Boomer, die einen Großteil der heutigen und zukünftigen Senioren ausmachen, sei das eine ungewohnte Belastung.
Mit dem Survivor S wolle Rheinmetall diese Entwicklung korrigieren. Das Fahrzeug schaffe einen exklusiven Verkehrsraum, in dem Senioren ihre traditionelle Vorrangstellung wieder ungestört ausüben können. „Wir nennen das intern Gleichgewicht durch Überlegenheit.“
Ganz nebenbei entstehe dadurch auch ein spürbarer Sicherheitsgewinn – zumindest für die Insassen. Selbst in der zivilen Version bringt der Survivor S mehr als fünf Tonnen auf die Waage. „Damit liegen wir deutlich außerhalb der Grenzen der Führerscheinklasse B“, erklärt Fährlich. „Zum Fahren benötigt man mindestens die Klassen C1 oder C.“ Das schränke den Absatz zwar ein, doch darin sehe man zugleich einen Vorteil. „Wer bereit ist, für seinen Alltagsweg zum Bäcker erst einmal einen LKW-Führerschein zu machen, gehört eindeutig zu unserer Zielgruppe.“
Behördentypische Ausstattungen wie ABC-Schutzbelüftung, Waffenaufbauten oder zusätzliche Panzerungsmodule entfallen in der zivilen Version vollständig. Der frei gewordene Platz wird stattdessen für Komfort genutzt: eine leistungsstarke Klimaanlage, elektrisch ausfahrbare Einstiegshilfen sowie eine besonders große Mittelkonsole für Medikamente, Lesebrillen und lose Bonbons. Ein wassergekühlter 6,9-Liter-6-Zylinder-Dieselmotor von MAN, der ebenso im Survivor R eingesetzt wird, rundet mit guter Performance und Wartbarkeit ab.
Auch beim Fahrgefühl setzt Rheinmetall auf Überlegenheit. Federung und Fahrzeugmasse lassen Bodenschwellen praktisch verschwinden. „Radfahrer oder Kinder sind für die Insassen kaum noch wahrnehmbar“, erklärt Fährlich. „Das vermittelt den Fahrern wieder das beruhigende Gefühl, dass ihnen die Straße gehört.“
Dieses Premiumgefühl hat allerdings seinen Preis. „Wir bewegen uns hier in einem Preissegment ab etwa 150.000 Euro“, sagt Fährlich. „Vorherrschaft im Straßenverkehr ist schließlich auch eine Frage der Investitionsbereitschaft.“
Der Verkaufsstart ist für den 15. August 2026 geplant - nahezu zeitgleich mit dem Schulbeginn in den meisten Bundesländern.