Provinzposse: Einkaufszettel beschäftigt Gemeinderat
Der Gemeinderat von Hausen muss sich momentan mit dem Einkaufszettel eines Clowns beschäftigen.
Foto: Bürgermeister Langmann bei der Arbeit (generiert mit Bing)
von Wilhelm Rademacher, Dübelfingen.
Hausen (bk) - Das Nachbardorf meines Heimatortes ist ja immer für eine Provinzposse gut. Aber diesmal haben die Hausener sich selbst übertroffen. Herr Peter Langmann, seit kurzem für die Partei C.L.O.W.N Bürgermeister des Dorfes, ist hauptberuflich - na, raten Sie mal - natürlich Komiker. Diese Tätigkeit von seinem Bürgermeisteramt zu trennen scheint ihm aber nicht immer leicht zu fallen. Der sogenannte Gemeinderat - bestehend aus einem Müllwerker, einem Schweinehirten, einem Kellner und dem Lebensgefährten einer Lehrerin, die für ihr promiskuitives Liebesleben verrufen ist - musste sich gestern allen Ernstes mit einem Einkaufszettel des Bürgermeisters befassen, auf dem er das komplette Bauplanungsrecht - inklusive der Enteignung von Dorfbewohnern - an eine Unternehmerin vergeben haben soll. Ich fühlte mich natürlich sofort erinnert an die bekannte Satireseite Postillon, wo einmal über einen Bierdeckel berichtet wurde, auf dem der bayrische Landesfürst sein Land an Österreich verschenkt hätte. Das war Satire, aber in Hausen ist es Realität!
Und damit nicht genug: Besagte Unternehmerin gehört zu einer angesehenen Bankiersfamilie, ihr Bruder ist der bekannte Finanzmakler Jakob Jesse Camenzind. Sie müsste sich doch gut genug auskennen, oder zumindest entsprechende Berater haben, um zu erkennen, dass ein Einkaufszettel der bei einer so gravierenden Entscheidung nötigen Form keinesfalls genügt? Mitnichten! Sie besteht darauf, dass sämtliche Mitspracherechte der Gemeinde damit entfallen wären, denn anscheinend ist ihr jedes Mittel recht, um - und jetzt halten Sie sich fest, der nächste Hammer kommt noch - ein Skigebiet zu errichten. Mit Grandhotel, Lifts, und zahlreichen Pisten. Wie lächerlich ist das denn bitte?
Beim Bankhaus Camenzind schien man überrascht, wollte sich aber auf Anfrage unserer Zeitung nicht weiter zu den Vorgängen äußern. Der nächste Akt der Provinzposse findet wohl in Wolfsau statt: Auf Antrag der CDU-Fraktion - des Schweinehirten - wird der Fall dem dortigen Verwaltungsgericht vorgelegt.